Wächterhaus

Das erste Wächterhaus

Eröffnung des ersten Wächterhauses von Erfurt Das Haus zu bewachen, das ist im wortwörtlichen Sinne die Aufgabe der ersten Hauswächter in Erfurt. Das Gebäude in der Talstraße 16 könnteeigentlich gar nicht vermietet werden, da es sanierungsbedürftig ist. Doch seit etwa drei Jahren gibt es den Wächterhaus e.V., der sich dafür eingesetzt hat, dass dieses Gebäude zum Wächterhaus wurde. Das bedeutet, dass Einzelpersonen und Vereine, die einen Platz zum Arbeiten brauchen, dort für 5 Jahre und einer Miete von 1 € pro Quadratmeter, einziehen können. Die Instandsetzung, bzw. –haltung des Gebäudes und die Nebenkosten müssen von den Wächtern selbst getragen werden. Das Wohnen ist in dem Haus allerdings nicht möglich, es ist nur als Arbeitsplatz gedacht. Seit Juli arbeiten dort zahlreiche Künstler wie eine Bildhauerin und Grafiker, eine Schriftstellerin, ein Komponist und ein Werbedesigner sowie ein Veranstaltungsmanager. Ein solches Haus lebt dadurch wieder auf, meint Urs Warweg, Vorsitzender vom Wächterhaus e.V.: „Wenn jemand öfter mal in alten, ungenutzten Gebäuden ist, der merkt, das gibt dann so einen muffigen Duft darin, das riecht dann so ein bisschen muffig und es wirkt so bedrückend. Und wenn erst mal Leben in so ein Gebäude gezogen ist, dann riecht das schon mal ganz anders, es ist frischer, es ist belebter. Und es sind so Kleinigkeiten am Rand, die ganz wichtig sind. Wenn Menschen in einem Haus arbeiten und dort sind, dann bemerken die, wenn zum Beispiel die Dachrinne kaputt ist und bei Regen das Wasser in den Keller läuft. Und zwar relativ schnell. Und das ist dann der KoWo, die weiterhin das Haus verwaltet, gemeldet worden – innerhalb von zwei Tagen ist es repariert worden.

Wenn die Wächter nicht drin wären, dann würde es doch relativ lange vor sich hinlaufen, bis es bemerkt wird und so was schadet dem Haus.“ Ein Wächterhaus muss nicht vielen Kriterien entsprechen, aber zumindest muss das Dach dicht, Fenster und Türen in Ordnung und Wasser und Strom vorhanden sein. In der Talstraße 16 wird noch mit Kohleöfen geheizt. Aber konnten die Wächter sofort einziehen? „Natürlich haben sich die Wächter dann erstmal herrichten müssen, weil Tapete runtergekommen war und die optische Erscheinung nicht doll war und die Fußböden unterschiedlich waren. Also da ist schon einiges gemacht worden. Also direkt einziehen konnten sie nicht.“ Warweg hofft, dass das Modell der Wächterhäuser in Erfurt Fuß fasst, wie beispielsweise in Leipzig, wo es zur Zeit dreizehn Wächterhäuser gibt. „Wir hoffen, dass die Veranstaltung am Freitag den Verantwortlichen zeigt, dass das ein gutes Modell ist und dass wir vielleicht noch ein, zwei weitere Häuser in Erfurt bekommen.“ Die Wächter schalten und walten schon seit Juli in dem Haus und heute Abend ist die Eröffnung. Da wird gezeigt, was bisher am Haus und im Haus gemacht wurde. Die Hauswächter werden ein Abendprogramm gestalten, welches sich aus einer Lesung, einer Klanginstallation und einer Führung durch die Ateliers zusammensetzt. In Zukunft kann man das Haus, insbesondere die Galerie im Erdgeschoss, auch besuchen, so Urs Warweg: „Das Ziel der Wächter ist, dass es ein Haus ist, was sich nach außen öffnet. Das ist kein öffentliches Haus, was Tag und Nacht offen steht, aber dass es nach außen strahlt und dass man auch hinein gehen kann.“ Interessierte Bürger können heute Abend um 18 Uhr in die Talstraße 16 kommen.
(Sandra Pollak)